Aufforderung der FDP zur Stellungnahme gegen Sexismus

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Wir fordern hiermit eine öffentliche Stellungnahme des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderles zu den Vorwürfen einer Journalistin, dass er sie sexuell belästigt hat.  Sollten ihre Schilderungen des Hergangs auch aus seiner Sicht zutreffen, fordern wir eine Entschuldigung. Andernfalls signalisiert sein Schweigen, dass er sexuelle Belästigung für eine hinzunehmende Bagatelle hält. Während dies aus Sicht eines Belästigers tatsächlich so sein mag, insbesondere wenn es zu seinem üblichen Verhaltensrepertoire gehört, ist es für die belästigte Frau eine Verletzung ihrer Würde.

Wir möchten nicht, dass die Maßstäbe derer, die Frauen sexuell belästigen, maßgeblich für die Beurteilung von Verhalten sind. Daher fordern wir ebenso alle diejenigen, die jetzt die betroffene Journalistin kritisieren, auf, ihre Kritik und ihre Aufmerksamkeit endlich auf das wirkliche Problem, nämlich die sexuelle Belästigung zu lenken.

Den Bericht über eine sexuelle Belästigung zu kritisieren (z.B. Wolfgang Kubicki, Philip Rösler), anstatt sich klar gegen sexuelle Belästigung im Allgemeinen sowie im konkreten Fall auszusprechen, zeigt vor allem eins: dass das Spitzenpersonal der FDP sexuelle Belästigung nicht nur toleriert, sondern damit indirekt dazu auffordert, sie hinzunehmen. Damit sind sie leider nicht alleine, wie einige der medialen und gesellschaftlichen Reaktionen zeigen. Wolfgang Kubicki setzt dem in dem aktuellen Interview in der Bild am Sonntag die Krone auf, indem er angekündigt hat, Journalistinnen nicht mehr in seinem Wahlkampfwagen mitfahren zu lassen, und auch nicht mehr zu informellen Hintergrundgesprächen einzuladen. So sieht nicht der Kampf gegen Sexismus aus: so sieht der Kampf gegen die Kritik an Sexismus aus.

Sexuelle Belästigung ist allgegenwärtig. Die völlig nebensächliche Frage, warum der Fall erst jetzt thematisiert wird, lässt sich genau damit beantworten: es hätte für die meisten wahrscheinlich den Nachrichtenwert von „Hund beißt Mann“ gehabt. Und genau so hat der Stern ja auf den Versuch der Journalistin Himmelreich, das zeitnah zu veröffentlichen reagiert.

Frauen wird mit sexuellen Belästigungen signalisiert, dass sie als soziales Wesen für den Belästiger nur über ihre Sexualisierung Bedeutung erlangen und dass der Belästiger sie als Person nicht ernst zu nehmen braucht; dass er sie bewerten und bedrängen darf. Frauen werden durch die Belästigung selbst und durch die dahinter stehende Drohung weiterer Übergriffigkeiten degradiert und in ihrer Freiheit beschränkt. Gilt die „Freiheit“ der Freien Demokratischen Partei nur oder insbesondere für Männer? Dann wäre eine Umbenennung günstig, damit sich WählerInnen darauf einstellen können.

Eine öffentliche Diskussion darüber, dass sexuelle Belästigung nicht tolerabel ist, ist längst überfällig, sowie eine klare Positionierung diesbezüglich seitens derer, die sich als „Volksvertreter“ wählen lassen möchten. Wir möchten an dieser Stelle in Erinnerung rufen, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung weiblich ist.

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9 Responses to “Aufforderung der FDP zur Stellungnahme gegen Sexismus”

  1. „One billion rising“ « Kritische Standpunkte

    […] Was in Deutschland läuft, findet Ihr u.a. auf: http://www.weibernetz.de/ oder http://www.onebillionrising.de Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den alltäglichen Sexismus und jede Form der Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen gibt es verschiedene Online-Petitionen/Protestbriefe, die wir als Bundesvorstandssprecherinnen unterschrieben haben und für unterstützenswert halten: http://www.change.org/de/Petitionen/indischer-pr%C3%A4sident-vergewaltigungen-ein-ende-setzen-stoprapenow http://www.change.org/notfallverhuetung http://ifgbsg.org/aufforderung-der-fdp-zur-stellungnahme-gegen-sexismus […]

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